11. Dezember 2017

Werbung im Blickpunkt

Egal wo man hinkommt, was man tut, die Werbung ist immer da. Bis auf wenige Ausnahmen, kommt man nicht an Ihr vorbei. Zugegeben, oft genug gibt es Werbung die uns inspiriert, fasziniert oder belustigt(aktuelle Nettowerbung). Und es gibt auch oft genug Werbung für bestimmte Produkte, die wir sonst übersehen, nicht gekauft, bzw. noch nicht mal gewusst hätten dass es dieses oder jenes Produkt überhaupt gibt. Und natürlich gibt es auch die Preisangebote von Newslettern, wo man froh darüber ist ein günstigeres Angebot zu finden.

Was ich damit sagen will, Werbung an sich ist schon praktisch und auch wichtig. Und nun kommt ein großes Aber.

Aber wenn Werbung zu aufdringlich, unehrlich und verfälschend daher kommt, dann finde ich das nicht mehr schön, sondern in gewisser Weise sogar gefährlich.

Ich kann mich wage an eine Werbung erinnern, bei der ein Wort oder mehrere offensichtlich mit purer Absicht falsch geschrieben waren. Das hat mich tierich aufgeregt. Alle meckern über das Bildungsniveau, dass wir bei den Pisastudien etc. schlecht abschneiden, aber so etwas wird geduldet. Da hört bei mir auch künstlerische Freiheit auf.

Andere Beispiele ärgern mich, weil die Aussage einfach an den Haaren herbei gezogen ist. Werbung sollte auch schon bei der Wahrheit bleiben und nicht die potentiellen Kunden verwirren, desinformieren. Meiner Meinung nach müssten Werbeaussagen beweisbar sein.

Das sind für mich so paar Grundsätze, aber eigentlich nicht der Aufhänger für diesen Artikel. Meine Intention für diesen Artikel ist vor allem Werbung im Internet gewesen.
Es geht um den Werbewahnsinn den viele Websiten veranstalten um sich selbst zu finanzieren. Viele Internetuser sind deshalb genervt, viele von den genervten Usern greifen zu Massnahmen wie Werbeblockern etc. Große Verlage klagen dagegen und dass mit zum Teil Hanebüchenen Aussagen.
Zitat: “Das Kerngeschäft der Klägerin ist die Vermarktung von Werbung. Journalistische Inhalte sind das Vehikel, um die Aufmerksamkeit des Publikums für die werblichen Inhalte zu erreichen.”  Das ist aus einem Beitrag von Golem.de

Und sofort wird mir auch klar, dass ich schon vor 20 Jahren zu Recht aufgehört habe Tageszeitungen zu kaufen. Weil ich schon damals der Meinung war, dass mit den Zeitschriften Werbung verkauft wird und nicht mehr die Information. Aber Werbung will ich nicht kaufen, nicht bezahlen. Ergo nix mehr Tageszeitung, nur noch Internet und TV, selten mal Radio.

Im Internet entgeht man der Werbung, ohne Werbeblocker, nicht so leicht.

Wie jeden Morgen checke ich erstmal Mails. Und da geht es schon los. Den täglichen Spamwahnsinn kennt ja eigentlich jeder, auch mit Filtern etc. lässt sich sowas kaum in den Griff bekommen. Da sprinte ich nur durch den Spamordner um zu gucken, ob sich nicht etwas Wichtiges verirrt hat. Dann wird gelöscht und Ruhe ist.

Aber im Posteingang laufen diverse Newsletter und Werbung(auch gewollte) auf. Und da fängt das Problem auch schon an. Gut finde ich Newsletter, Werbung, die auf ein oder mehrere Artikel hinweissen. Also zum Beispiel TV XY jetzt zum super Sonderpreis. Zeit und Geld wird mir genommen, wenn da pauschale Werbung kommt, die praktisch den ganzen Katalog bewerben. Für so ein Scheiß hab ich keine Zeit.
Jetzt zu Ostern geht es auch wieder mit der Ostereier Werbung los. Da krieg ich paar Batterien für 0,00 € wenn ich für 30,00 € einkaufe. Hä sind die völlig behämmert. Wenn ich solche Dinger brauche, dann kauf ich die ums Eck für 1,00 €. Das ist doch keine Werbung, dass ist Zeit- und Geldklau. Wenn ich konsequent jede derartige Werbung nur aufmache, dann brauche ich morgens schon ne Stunde, bevor ich überhaupt mit der Arbeit anfangen kann.

Nach den E-Mails geht es weiter mit diversen Websites, die ich checke bevor der Tag beginnt. Und natürlich geht es da gleich weiter mit Werbung. Nervige Banner und Anzeigen innerhalb der Internetseite sind ja normal und man hat sich daran gewöhnt. Nerven tut da nur, dass die Artikel die dort für einen beworben werden, schon vor längerer Zeit gekauft wurden. Sprich die Urlaubsreise ist gebucht, der neue TV hängt schon an der Wand, aber die Werbung meint Du brauchst das alles gleich wieder. Das nenne ich mal Verschwendung, in diesem Fall für die werbenden Unternehmen. Ich suche keinen TV mehr, ich brauche keine Reise, derzeit brauche ich ne Soundbar oder einen Mietwagen. Aber egal das nervt nur am Rande.

Ich habe mal ne Zeitlang so Befragungen, Umfragen für Werbung mitgemacht. Dabei habe ich erstmal gemerkt, wie mein Gehirn auf Werbung reagiert. Ich schätze mal 85 % der Werbung werden gar nicht mehr aktiv aufgenommen. Weitere 10 % nur, wenn man Bedarf hat. Also sprich ich suche gerade eine Reise, TV oder Auto etc. Und der Rest bleibt nur temporär hängen wenn Sie gut gemacht ist. Ob meine Wahrnehmung stimmt ist auch fraglich, wahrscheinlich bleibt maximal 1 % hängen und der Rest fällt schon gleich durch die Roste.

So und nun kommen wir zum Supergau, viele Websites müssen Geld mit Werbung verdienen, damit sich das rentiert. So wie die Zeitungen und Zeitschriften der Verlage, die klagen. Und da bin ich jetzt an einem Punkt angekommen, wo ich mich ständig frage, ist es mir diese oder jene Website noch wert?
Am aller nervigsten sind ungefragt startende Videos. Ich hasse es förmlich, wenn man mehrere Tabs öffnet und die Lautsprecher quäken gleich los. Wer braucht denn soviele Videos für jeden Mist. Ich will Text, da kann ich schnell quer lesen und erstmal entscheiden ob ich mir mehr Zeit nehme oder nicht. Videos fangen mit Werbung an und es dauert bis man zum Punkt kommt.

Schlimmer sind eigentlich nur noch Werbeeinblendungen über die ganzen Seite, die sich dann eventuell nicht wegklicken lassen.
Aus Gesprächen mit vielen Usern weiß ich, dass es ein großes Problem ist. Somit sind wir wieder an dem Punkt, wo die Ersteller solcher Portale und Websites darauf pochen, dass Werbeblocker verboten gehören. Irgendwie haben solche Firmen wohl den Anschluss verpasst.
Leute es geht nicht nur darum, was Ihr verkaufen wollt. Es geht darum was Ihr Euren Kunden verkaufen könnt. Wenn Ihr nur Werbung ohne Mehrwert anbietet, dann sind Eure “Kunden” weg.

Es ist für den User/ Kunden schon schwer genug sich zwischen den Internetangeboten zurecht zu finden. Deshalb ist es auch sein gutes Recht, sortieren zu dürfen und wenn nicht anders, dann eben mit Werbeblockern. Im so genannten Reallife geht das auch. Man klebt auf den Briefkästen “Bitte keine Werbung”, oder lässt sich in die Robinsonliste eintragen. Im Zeifelsfall fliegt eben die Werbung sofort in den Müll. Das sind auch Werbeblocker.

Also liebe Werbeverkäufer, Verlage etc. macht mal halblang und überdenkt Euer Geschäftsmodell.

Ich finde auch das Argument, dass Inhalte finanziert werden müssen, völlig daneben. Mir ist egal, wer da Informationen ins Netz stellt, solange die nicht gegen bestehende Gesetze verstoßen darf das jeder tun. Klar muss er auch dafür zahlen(Herstellung und Betrieb der Website). Sollte man damit unbedingt Geld verdienen wollen, muss man auch ein funktionierendes Geschäftsmodell haben. Das kann mit Werbung finanziert werden, es kann mit Abos(für weitere Informationen) kombiniert werden. Oder mit anderen Kosten pflichtigen Angeboten. Wenn es sein muss, kann man die Seite auch mit Werbung finanzieren. Bitte schön. Aber wenn das Geschäftsmodell nicht funktioniert, dann ist das einzig und allein die Schuld des Unternehmers. Und zwar wie in jedem Unternehmen auch. In der Regel liegt es daran, dass man den Markt nicht kennt und unterschätzt. Es gibt genug Unternehmen die es im Netz nicht geschafft haben und daran ist kein Werbeblocker schuld. Falsche Zielgruppe, falsche Inhalte, immer wiederkehrende alte Inhalte, zu wenige Inhalte. Zu langsame träge Internetseiten, flasche Kosten-Nutzenstruktur. Das ließe sich wie im richtigen Geschäftsleben endlos fortsetzen.

Ich vergleiche das Mal mit einem Modegeschäft.
Stellt Euch vor Ihr wollt eine neue Jacke kaufen und geht zum Geschäft. Auf dem Weg dorthin, seht Ihr an jeder Ecke Werbung zu Artikeln, die Ihr vor paar Tagen gekauft habt. Bevor Ihr den Laden betreten könnt knallt Euch ständig Werbung entgegen. Vielleicht in Form von Aufkleber, Plakaten draussen und im Eingangsbereich Fahnen und Vorhänge.
Kurz vor dem Betreten des Ladens steht ein Aufpasser, der Euch ausgiebig befragt, Alter, Gewohnheiten, Einkommen, etc. Ich nenne den mal Cookiesammler. Schließlich seid Ihr endlich angekommen, Ihr seid im Laden und könnt Euch in Ruhe umsehen.

Was seht Ihr? Alte Hüte, Jacken aus der vorletzten Saison, die als neueste Mode angepriesen werden, unerhörte Preise, der Laden ist bis unter die Decke vollgestopft. Selber suchen? unmöglich, also Verkäuferin(Suche) angesprochen und die empfiehlt anstatt ne Jacke, Hemden, Unterwäsche etc.

So entweder rennste jetzt wieder raus aus dem Laden oder findest zufällig was und willst kaufen. Willste kaufen, dann stehen dann auch wieder diverse Hindernisse an. Zum Beispiel wieder Cookiesammler, Punktesammler, Kartenheinis, was weiß ich. Aber das ist ja auch nicht mehr fikitiv, dass ist schon Realität.

Ich für meinen Teil werde privat auf jeden Fall alle Seiten mit aggressiver Werbung konsequent aus meinen Favoriten streichen. Ich will Seiten mit Inhalt und wegen mir auch mit konstruktiver Werbung. Und wenn kommerzielle Unternehmen das nicht leisten können, dann haben Sie auch keine Daseinsberechtigung, zumindest in meiner Welt.

Über Scout 10 Artikel

Alter Mann, in Berlin geboren,
EDV Heini mit Hang zu Hand gemachter Musik,
Reisen und den Hasslieben zu Berlin und dem Radsport.

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